Wer diese Insel besuchen will, wird sofort umgebracht

Trotzdem wagen es immer wieder Leute - mit fatalen Folgen

Wer diese Insel besuchen will, wird sofort umgebracht

Gerade in der westlichen Welt gehen wir oft fest davon aus, dass es kaum noch Orte gibt, die vom modernen Menschen noch nicht erkundet worden sind. Und doch gibt es nach wie vor verborgene Welten, die von Einwohnern bewohnt werden, die nach ihren ganz eigenen Regeln und Bräuchen leben.

Einer dieser Orte ist Nord Sentinel, eine von Korallenriffen umgebene Insel, die seit 60.000 Jahren fast komplett unberührt von fremden Eindrinlingen geblieben ist. Und das hat einen guten Grund: Sie zählt zu den gefährlichsten Inseln der Welt - ein Ruf, für den vor allem ihre Bewohner, die Sentinelsen, verantwortlich sind.

Was es ist mit diesem Volk auf sich hat, erfährst du auf den nächsten Seiten...

Wer diese Insel besuchen will, wird sofort umgebracht

Die auf der Insel, welche ein Teil der Andaman Islands ist, ansässigen Sentinelesen, sollen zu einer der ersten Gruppen gehören, die damals Afrika verlassen haben und daraufhin vor 60.000 Jahren in North Sentinel ansiedelten.

Die ersten Berichte über dieses Volk stammen aus dem 18. Jahrhundert. So soll der britische Vermesser John Ritchie bereits 1771 bei einer Erkundungstour zahlreiche Lichter auf der Insel bemerkt haben, entschloss sich aber dazu, nicht an Land zu gehen, sondern mit seiner Truppe davonzusegeln.

Das war vermutlich eine sehr kluge Entscheidung, wie die folgenden Ereignisse zeigen...

Wer diese Insel besuchen will, wird sofort umgebracht

Das nächste Mal wurde erst 1867 von den Sentinelesen berichtet, und zwar als das indische Händlerschiff Ninevah am Ufer der Insel strandete. Etwas mehr als 100 Passagiere überlebten, wurden aber kurz darauf von den Ureinwohnern angegriffen. Der Kapitän bemerkte noch die Eisenspitzen an den Speeren der Sentinelesen -  dann konnte er mit einem kleinen Boot entkommen. Zu seinem Glück wurde er schließlich von einem Rettungsschiff aufgesammelt, das schließlich auch die restlichen Überlebenden von der Insel holte. Diese hatten sich mit dem Werfen von Steinen und Stöcken vor den Einheimischen verteidigt und so retten können.

13 Jahre wagte sich keiner mehr in die Nähe der Insel. Hätten sie es nur dabei belassen...

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1880 entschied der Marineoffizier Maurice Vidal Portman, gemeinsam mit anderen Ureinwohnern zu einer Expedition zur Insel aufzubrechen. Dort angekommen fanden sie aber zunächst nur verlassene Hütten vor. Die Sentinelesen schienen in den Wald verschwunden zu sein. Als Portman und seine Männer sich auf die Suche nach ihnen machten, fanden sie schließlich eine Gruppe von sechs Ureinwohnern: zwei ältere Menschen und vier Kinder. Kurzerhand beschlossen die Männer, die Sentinelesen zu entführen und nach Port Blair zu bringen. Dort erkankten die Ureinwohner aber so sehr (vermutlich an den unbekannten Umwelteinflüssen), dass die beiden älteren Sentinelesen starben und die Kinder so schnell wie möglich wieder nach North Sentinel zurückgebracht wurden.

Es dauerte fast weitere 100 Jahre, bis sich nach dieser missglückten Erkundungstour wieder jemand zurück zur Insel traute...

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In den 1960ern entschieden sich schließlich einige Anthropologen dazu, North Sentinel zu studieren. Der Inder Triloknath Pandit reiste 1967 zur Insel und fand wie schon Portman vor ihm die Hütten verlassen vor. Trotzdem hinterließ er den Einwohnern einige Süßigkeiten, Stoff und Eimer, und nahm im Gegenzug einige Gegenstände zum Untersuchen mit

Kurz darauf segelte eine weitere Gruppe in Gesellschaft der indischen Polizei zur Insel, in der Absicht, eine Dokumentation zu drehen. Doch schon als sie sich dem Strand näherten, wurden sie mit Speeren beworfen. Auch ihr Versuch, sich von einer anderen Seite zu nähern, wurde mit Speerwürfen bestraft. Die Schweine und die Puppe, welche die Gruppe als Friedensgeschenke auf die Insel schickte, wurden vor ihren Augen im Boden vergraben.

Die Sentinelesen hatten offensichtlich kein Interesse an Gesellschaft...

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1981 strandete ein Schiff mit dem Namen Primrose am Ufer der Insel. Die Crew war zuerst erleichtert, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Doch schon kurz darauf wurde sie von den Sentinelesen attackiert. Die Schiffbrüchigen wehrten sich mit Äxten und einer Leuchtpistole und versuchten verzweifelt, Hilfe zu kontaktieren. Zu ihrem Glück wurden sie schließlich von der indischen Marine gerettet. Das Wrack der Primrose kann heute noch auf Luftbildern am Strand der Insel gesehen werden.

Doch es gab einen, der einfach nicht aufgeben wollte...

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Der Anthropologe Triloknath Pandit reiste in den folgenden Jahren immer wieder zur Insel. 1991 hatte er dann endlich Erfolg: Bei seiner ersten friedlichen Begegnung mit den Ureinwohnern kletterten diese sogar in sein Boot und nahmen die von ihm mitgebrachten Kokosnüsse entgegen. 

Schon kurz nach dieser Begegnung beschloss die indische Regierung, weitere Forschungsbesuche einzustellen, um zu vermeiden, dass gefährliche Bakterien auf die Insel gelangten und so deren Einwohner gefährdeten.

Kurz nach dem Tsunami 2004 schickte die Regierung jedoch immerhin einen Helikopter nach North Sentinel, um nachzusehen, ob die Ureinwohner überlebt hatten. Und tatsächlich: Scheinbar hatten sich die Sentinelesen auf höheres Land gerettet, den Tsunami überlebt und sich den neuen Gegebenheiten angepasst.

Doch hierbei blieb es leider nicht...

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2006 schliefen zwei betrunkene Fischer auf ihrem Boot ein. An dieses hatten sie zuvor einen Stein gebunden, der als Anker wirken sollte. Da dieser jedoch zu leicht war, wurde das Boot der Fischer an Land der Insel gespült. Die beiden Männer wurden daraufhin von den Sentinelesen attackiert und umgebracht. Die indische Küstenwache versuchte zwar, ihre Leichen und das Boot mit Hilfe eines Helikopers zu bergen, doch auch dieser wurde von den Ureinwohnern mit Pfeilen beschossen. Als die Mitarbeiter der Küstenwache sahen, dass die Körper der Männer von den Sentinelesen begraben worden waren, gaben sie ihre Bemühungen auf und kehrten um.

Seit diesem Ereignis gibt es eine Sperrzone von drei Meilen um die gesamte Insel herum. 

Im Jahr 2018 versuchte ein US-Amerikaner namens John Allen Chau, der als evangelikaler Missionar tätig war, trotz Kontaktverbot auf die Insel zu gelangen und die Einwohner christlich zu missionieren. Er bestach lokale Fischer, um sich nachts mit einem Holzboot zu nähern. Als er versuchte, die Sprache der Bewohner zu imitieren, wurde er laut seiner Aufzeichnungen verspottet. Die anschließenden Drohungen ignorierte Chau – immer wieder versuchte er, auf die Insel zu kommen. Bei seinem dritten Versuch trafen die Einheimischen ihn mit Pfeilen und vergruben ihn – der Leichnam ist bis heute auf der Insel.

Trotz der vielen erfolglosen Kontaktversuche gibt es einiges, das wir über die Sentinelesen wissen...

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Unterkünfte und Einwohnerzahl

Die Sentinelesen leben in Hütten aus Palmenblättern, die so groß sind, dass sie mehrere Leute beherbergen und Trennwände haben. Ihre Waffen bestehen aus Bögen und Speeren. Die Pfeile, die aus dem Helikopter gezogen werden konnten, legen die Vermutung nahe, dass verschiedene Pfeilspitzen für verschiedene Aufgaben gewählt werden. So gibt es sowohl Pfeile fürs Jagen, Fischen und zur Verteidigung.

Die Insel besteht zum großen Teil aus Wald, weswegen es unmöglich ist, zu sagen, wie viele Menschen genau darauf wohnen. Grobe Schätzungen belaufen sich aber auf 50-500 Personen.

Trotz des 30 Meilen Sperrgebiets werden nach wie vor Touristenfahrten an die Andaman Islands verkauft, die menschlichen Safaris nicht unähnlich sind. Gegen die Ausbeutung der hier ansässigen Völker, wie z.B. der Jarawas, wie es durch den Ausbau verschiedener Hotelressorts geschieht, setzen sich seit Jahren Aktivistengruppen ein.

Sprache und Kleidung

Die Sprache der Inselbewohner ist bisher nicht erforscht; allein aus geographischen Gründen ordnet man sie jedoch den andamanischen Sprachen zu. Forscher gehen davon aus, dass die Sprache der Sentinelesen kein ausreichend gemeinsames Vokabular mit denen der Nachbarvölker teilt, sodass die Sentinelesen nur untereinander verbal kommunizieren können. 

Viele Zeugenberichte schildern, dass die Sentinelesen ohne Kleidung leben und mit Waffen aus natürlichen örtlichen Materialien kämpfen. 

Doch wovon ernähren sie sich?

Nahrungsgrundlage

Laut Anthropological Survey of India (AnSI) ernähren sich die Inselbewohner von Kokosnüssen, Wurzeln, Pflanzenknollen, unterschiedlichen Blättern, Bienenhonig, Schildkröten-Eiern und Kochbananen.

Sie greifen außerdem auf Wildschwein- und Schildkrötenfleisch zurück und nutzen verschiedene Arten von Speisefisch und Meeresfrüchten, um zu überleben.