So hoch ist der Bierkonsum in Deutschland

Bestimmte Mythen halten sich hartnäckig

So hoch ist der Bierkonsum in Deutschland

Bier gilt als das Lieblingsgetränk der Deutschen - und das zeigt sich schon deutlich daran, was passiert, wenn Hersteller laut mit der Idee spielen, etwas am fast heiligen Reinheitsgebot zu verändern. Dabei ist das ursprünglich bayerische Reinheitsgebot von 1516 mehr Tradition als Gesetz: Zwar war es zeitweilig in Deutschland tatsächlich gesetzliche Grundlage für die Herstellung von Bier, mittlerweile regeln jedoch andere Verordnungen den deutschen Biermarkt.

Aber das tut dem Bierkonsum der Deutschen keinen Abbruch - oder etwa doch? Statistiken zeigen, dass auch das goldene Lieblingsgetränk hierzulande veränderten Konsumgewohnheiten unterworfen ist.

Auf den folgenden Seiten zeigen wir vier Mythen rund um den Bierkonsum der Deutschen - und welche Konsequenzen sich daraus ziehen lassen.

Auf der nächsten Seite geht es los!

So hoch ist der Bierkonsum in Deutschland

1. Keiner trinkt mehr Bier als die Deutschen.

Gerade in Kneipen hält sich dieser Mythos hartnäckig. Zwar haben die Deutschen 2016 pro Kopf im Schnitt 104,1 Liter Bier getrunken (rechnet man Kinder und Menschen, die kein Bier trinken heraus, dürften die Zahlen noch beeindruckender sein), allerdings ist der Trend seit Jahrzehnten rückläufig. Seinen Tiefpunkt hatte er in den 1950er Jahren mit nur 35,6 Litern pro Kopf - in den 1980er-Jahren lag er mit 145,9 Litern pro Kopf jedoch deutlich höher. Insgesamt verzeichnen auch die Brauereien einen deutlich gesunkenen Absatz. Das entspricht auch einem anderen bundesweiten Trend: Alkoholika und andere Rauschmittel werden gerade unter jungen Menschen immer unbeliebter.

All das führt dazu, dass die Deutschen schon länger nicht mehr die Biertrinkernation Nummer 1 sind. Tschechien liegt deutlich vor Deutschland: Dort werden pro Jahr 143 Liter Bier pro Kopf getrunken.

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2. Nirgendwo gibt es mehr Biersorten als in Deutschland.

Bei diesem Mythos muss zwischen der Anzahl der Brauereien und den Biersorten, die es auf dem Markt gibt, unterschieden werden.

Die allgemein verwendeten Zahlen für die Anzahl der Brauereien werden jährlich von der Barth-Haas Group, dem weltweit größten Hopfenhändler, veröffentlicht. Und hier liegt Deutschland zwar im Spitzenfeld, aber nicht an erster Stelle. Mit stolzen 1.408 Brauereien im Jahr 2016 belegt Deutschland den vierten Platz und verdrängt damit Russland auf den fünften. Spitzenreiter ist die Volksrepublik China, wo jedes vierte Bier der Welt gebraut wird.

Auch wenn der Pro-Kopf-Verbrauch hierzulande ständig sinkt, steigt die Anzahl der Biermarken: Laut statista hat man in Deutschland die Auswahl zwischen 5.500 verschiedenen Marken. Aber auch hier schlägt uns China. Bemessen auf die Anzahl der Einwohner, hat Belgien mit über 1.000 Biersorten das breiteste Angebot.

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3. In Deutschland gilt das Reinheitsgebot.

In gewisser Weise stimmt dieser Mythos - jedoch nicht so, wie viele denken. Erstmals taucht es unter dem Namen "Bayerisches Reinheitsgebot" in einem Protokoll einer bayerischen Landtagssitzung 1918 auf und bezog sich auf eine Bierbrautradition, die 1516 Vorschrift wurde. Allerdings hatten viele Regionen damals ein solches Gebot - und das war bei den damaligen Hygienebedingungen auch mehr als notwendig.

Im Zuge der europäischen Einigung wurde aber auch der Verbraucherschutz auf europäischer Ebene angepasst. Das hatte zum Resultat, dass nur in Deutschland hergestellte untergärige Biere wie Pils nach einer Bierverordnung (von 2005, nicht 1516) hergestellt werden müssen, um hier als Bier verkauft werden zu dürfen. Biere, die für den Export vorgesehen sind sowie importierte Biere unterliegen dieser Auflage nicht.

Aber auch schon 1918 spielte nicht nur Traditionsbewusstsein eine Rolle bei dem Versuch, das Reinheitsgebot gesetzlich zu verankern. Auch für die Bierindustrie wurden Werbung und Vermarktung zu der Zeit immer wichtiger - und "Gebraut nach dem Deutschen Reinheitsgebot" ist auch heute noch ein Kassenschlager.

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4. Bierkonsum führt zu einem Bierbauch

Manche tragen ihn fast schon stolz vor sich her, andere nehmen ihn einfach hin: den Bierbauch. Und hartnäckig hält sich dieser Zusammenhang zwischen dem Feierabendbier und der Wampe. Dabei hat eine gemeinsame Studie der Universitäten Göteborg und Potsdam mit diesem Mythos aufgeräumt. Über acht Jahre begleiteten die Wissenschaftler 20.000 Probanten und konnten eindrucksvolle Ergebnisse vorlegen. Mit rund 250 Kilokalorien schlägt ein halber Liter Bier zwar ziemlich zu, hat damit aber weniger Kalorien als pure Säfte oder Wein. Gefährlich für die Figur werden Snacks und fettiges Essen, die den Bierkonsum regelmäßig begleiten, da Hopfen und Alkohol appetitanregend wirken.

Eine Studie des University College London hat im übrigen gezeigt, dass Frauen, die regelmäßig ein Bier trinken, sogar schlanker sind als Frauen, die kein Bier trinken. Aber hierzu stehen noch weitere Studien aus.