Deshalb sollte man den Waisen-Tourismus überdenken

Wenn wir weiter so "helfen" wie bisher, schaden wir den Kindern erst recht

Acht Millionen Kinder weltweit leben in Waisenhäusern oder Pflegeunterkünften. Allerdings sind lediglich 80% von ihnen Halb- oder Vollwaisen. In Kambodscha beispielsweise ist die Anzahl an Pflegekindern in den letzten Jahren um 75% gestiegen, während die Anzahl an Waisen abgenommen hat. Wie kann das sein?Die meisten Kinder, die in Ländern wie Kambodscha oder Indonesien in Pflegeanlagen leben, sind keine Waisen, sondern schlichtweg Kinder mit einem ärmlichen Familienhintergrund. Eltern geben ihre Kinder ab, in der Hoffnung, dass ihnen ein besseres Leben zuteil wird, als sie es ihnen selbst bieten können. Sie werden getrieben von dem Glauben, dass sie eine bessere Chance auf Bildung erhalten. In Nepal und Uganda beispielsweise werden die Kinder von sogenannten "Vermittlern" mit gefälschten Dokumenten als Waisen an Pflegeheime verkauft. Aber wie kann es sein, dass der Waisen-Tourismus, der unterstützen will, den Kindern sogar schadet?

Tourismus ist ein wesentlicher Beschleuniger dieses Kreislaufes aus Missbrauch und Kinderhandel. "Waisentourismus" und Voluntourismus sind zu lukrativen Geschäftsmodellen geworden. Das Versammeln von immer mehr Kindern in entsprechenden Einrichtungen, die unterernährt und kränklich wirken und ohne jegliches Spielzeug oder vernünftiger Kleidung auskommen müssen, ist gut für das Business. Es ruft die Sympathie von Volontären und entsprechenden Besuchern hervor, die sich die Lage vor Ort ansehen wollen, um Spenden zu sammeln. All diese Menschen, die Volontäre und wohltätigen Organisationen wollen nur helfen und wissen nicht, was sie damit eigentlich "anrichten". Natürlich sind nicht alle Waisenhäuser korrupt. Einige leisten beachtliche Arbeit und schützen tausende Kinder vor einem Leben auf der Straße. Sie bieten ihnen ein gutes Leben und Zugang zur Bildung. Aber was ist die beste Lösung? Wie kann man den Kindern helfen, ohne die kriminellen Machenschaften zu unterstützen....? 

Wie in vielen Dingen, gibt es auch in diesem Fall keine allgemeingültige Lösung. Doch es gibt Hoffnung. Die Organisation "ReThink Orphanages" ist ein Netzwerk, das versucht die unnötige Institutionalisierung von Kindern zu stoppen, in dem sie dazu appelliert, die Übersee-Hilfe, die Hilfe in Entwicklungsländern und den Tourismus zu überdenken. Ihr Fokus liegt vielmehr auf einer permanenten Lösung, die es Kindern ermöglicht, in ihren eigenen Familien aufzuwachsen. 

Diese dauerhafte Planung ist ein wichtiger Schritt in der Entwicklungshilfe auf der ganzen Welt. UNICEF beschrieb diese Hilfe als einen der einzigen Prozesse, der Stabilität, Kontinuität und das Gefühl zu einer Familie zu gehören, gewährleisten kann. Lasst uns über unsere Hilfe nachdenken und uns vorausschauend darüber klar werden, wem die "Hilfe" tatsächlich zu Gute kommt. Es gibt alternative Wege, um den Kindern dieser Welt nachhaltig und vor allem permanent zu helfen und ihnen ein Leben bei ihren Familien zu ermöglichen.