Die schlimmsten Zugunglücke der Welt

Statistisch gesehen gelten Züge neben den Flugzeugen als die sichersten Verkehrsmittel. Leider sind diese Zugfahrten verheerende Ausnahmen gewesen.

Obwohl Züge als sicher gelten, kann es zu Unfällen kommen.
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Für manche Menschen sind sie eine bequeme Art zu reisen, für andere ein notwendiges Fortbewegungsmittel: Züge gelten als relativ sichere Verkehrsmittel. Unglücksfrei sind sie jedoch nicht. Auch bei einem Unfall gelten die Überlebenschancen als relativ hoch, allerdings mit schwerwiegenden Ausnahmen. Beim schwersten Zugunglück in Deutschland verloren 101 Menschen ihr Leben. Das Unglück fand 1998 in Eschede statt. Weltweit gab es jedoch Zugunfälle mit noch größeren Todeszahlen. Das Guinness-Buch der Rekorde verzeichnet das schlimmste Zugunglück der Welt mit bis zu 1500 verlorenen Leben. Wir klären in diesem Artikel über die schwersten Zugunglücke der Welt auf.

Bei dem Zugunglück in Nishapur kamen etwa 320 Menschen ums Leben.
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#10 Eisenbahnunglück von Nishapur

Am 18. Februar 2004 explodierte ein Güterzug in Nishapur, Iran, der voll mit Chemikalien beladen war. Etwa 320 Menschen kamen dabei ums Leben. Zudem wurden mehr als 450 Feuerwehrleute und Dorfbewohner schwer verletzt. Laut der zuständigen Behörden machte sich der Güterzug aus unerklärlichen Gründen selbstständig. Ohne Zugführer fuhr er in den Bahnhof Chajjam, wo er entgleiste und in Brand geriet. Da die schwerwiegende Explosion erst fünf Stunden nach dem Ereignis einsetzte, wurden zahlreiche Helfer verletzt. Unter anderem waren die Wagen mit Schwefel und Treibstoff beladen.

Bei dem Zugunfall von Ayyat fuhr der Zugführer noch sieben Kilometer weiter, ohne den Brand zu bemerken.
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#9 Zugunglück von Ayyat

Auf dem neunten Platz der schlimmsten Zugunglücke aller Zeiten landet der  Eisenbahnunfall von Ayyat . 383 Menschen kamen bei diesem Unglück ums Leben. Ein Reisezug der Ägyptischen Staatsbahn war von Kairo nach Luxor unterwegs. Die Ursache für den Unfall ist nie vollständig geklärt worden. Nach einigen Angaben soll ein Defekt an einer elektrischen Leitung verantwortlich gewesen sein. Andere Quellen gehen davon aus, dass eine privat mitgeführte Gasflasche explodierte und den Unfall verursachte. In Ägypten ist es unter Reisenden üblich, mit Hilfe von Gasflaschen Heißgetränke unterwegs zuzubereiten. Da es im Zug keine funktionierende Notbremse gab und auch keine Kommunikation mit dem Zugführer, bemerkte dieser den schnell wachsenden Brand nicht. Er fuhr noch sieben Kilometer weiter bis zum Bahnhof Al Ayyat.

Auf einer seiner Brücken ereignete sich das schwerste Zugunglück Afrikas.
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#8 Awash Rail Disaster

428 Menschen mussten am 14. Januar 1985  in der Nähe der Stadt Awash, Äthiopien, ihr Leben lassen. Der Unfall gilt noch heute als der schlimmste Zugunfall in der Geschichte Afrikas. Ein Personenzug entgleiste vermutlich aufgrund von überhöhter Geschwindigkeit auf einem Bahnübergang vor der Brücke über den Fluss Awash. Trotz der Entgleisung fuhr der Zug noch auf die Brücke drauf, wo die Lokomotive und vier Personenwagen abstürzten. Neben den Todesfällen wurden bei diesem Unglück etwa 500 Menschen verletzt. Die genauen Todeszahlen variieren jedoch je nach Quellenangabe leicht. Eine endgültige Zahl lässt sich nicht mit hundertprozentiger Sicherheit feststellen.

Bei dem Zugunglück in Spanien hielt das Feuer zwei Tage lang an und machte Hilfe fast unmöglich.
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#7 Eisenbahnunfall von Torre del Bierzo 

1944 ereignete sich in Spanien auf der Strecke von Madrid nach A Coruña ein Eisenbahnunglück mit einem Nachtschnellzug. Planmäßig hätte der Zug im Bahnhof von Albares halten müssen, doch aufgrund defekter Bremsen konnte er auf dem starken Gefälle nicht halten. Der Zusammenstoß mit einem rangierten Zug in einem Tunnel am Bahnhof Torre del Bierzo ließ sich nicht mehr vermeiden. Der Aufprall zerstörte mehrere Wagen beider Züge und die Signalleitungen neben dem Gleis. Dies sorgte dafür, dass die Gleise für den nachkommenden Güterzug als frei angezeigt wurden, was zu einem weiteren Aufprall im Tunnel führte. Das bei dem Unfall entstandene Feuer hielt zwei Tage an und machte Hilfe nahezu unmöglich. Heutige Schätzungen der Todesopfer liegen bei 500 Menschen.

 Die genaue Opferzahl des Zugunglücks von Mansi bleibt bis heute ungeklärt.
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#6 Eisenbahnunglück von Mansi

Zu den schlimmsten Zugunglücken der Welt gehört auch das Eisenbahnunglück von Mansi 1981. Hier entgleiste ein Zug auf einer Brücke über dem Fluss Bagmati nahe der indischen Stadt Mansi. Schätzungen besagen, dass bis zu 600 Menschen bei diesem Zugunglück ihr Leben verloren haben. Die Lage über dem Fluss sorgte dafür, dass das Retten von Überlebenden und die Suche nach Toten besonders schwierig waren. Experten gehen davon aus, dass der Fluss einige Menschen weggespült habe. Taucher wurden zwar eingesetzt, dennoch bleibt ungeklärt, wie viele Menschen bei diesem Unglück wirklich zu Tode kamen. Der Zug beinhaltete zum Unglückszeitpunkt vermutlich zwischen 500 und 1000 Passagiere.

In einem Tunnel in Italien 1944 kam es zu einer Rauchvergiftung der Passagiere.
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#5 Balvano Train Disaster

In Italien kam es 1944 zu einem Zugunglück, bei dem mehr als 500 Menschen  in einem Tunnel durch Kohlenmonoxidvergiftungen  ums Leben kamen. Das zivile Leben Italiens befand sich zu diesem Zeitpunkt im Chaos. Das faschistische Regime Mussolinis war bereits bezwungen, doch viele Strukturen wurden unzuverlässig eingerichtet. Das Chaos sorgte einerseits dafür, dass nur minderwertige Kohle für die Dampflokomotive zur Verfügung stand, und andererseits für viele illegale Passagiere. Die minderwertige Kohle sorgte dafür, dass die Zugkraft stark eingeschränkt war, wodurch der Zug in einem Tunnel mit Anstieg zum Stehen kam. Gleichzeitig enthielten die Rauchabgase überdurchschnittlich viel Kohlenmonoxid, was bei zahlreichen Passagieren für eine schleichende Vergiftung sorgte.

Das Unglück war besonders tragisch, da zahlreiche Kinder an Bord waren.
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#4 Ufa Zugunglück der Transsibirischen Eisenbahn

1989 ereignete sich der Unfall bei der Stadt Ufa: Eine Flüssiggas-Pipeline nahe der Eisenbahnstrecke hatte ein Leck, was zu einer Gasansammlung in einer Senke führte. Das Gas explodierte, als zwei Züge auf der Transsibirischen Eisenbahn vorbeifuhren. 1992 wurde ein Denkmal für die Opfer des Unglücks errichtet, das 675 Namen eingraviert hat. Inoffizielle Zahlen schätzen die Anzahl der Todesopfer sogar noch höher. Besonders tragisch war dieser Zugunfall auch, da sich unter den Passagieren zahlreiche Kinder auf dem Weg in die Ferien oder zurück aus den Ferien befanden.

Die Zugfahrt in Frankreich wurde trotz drohender Gefahr fortgesetzt.
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#3 Eisenbahnunfall von Saint-Michel-de-Maurienne

Am 12. Dezember 1917 ereignete sich in Frankreich der wahrscheinlich zweit-schlimmste Zugunfall der Welt. Hier verunglückte ein Militärzug auf dem Weg in den Weihnachtsurlaub von der italienischen Front. Der Lokführer gab seine Bedenken für die Fahrt im Vorfeld sogar an: Der Zug war für die Fahrt, auf der es eine Talfahrt mit starkem Gefälle gab, nicht ausreichend ausgerüstet gewesen. Ein Offizier drohte allerdings mit einem Kriegsgerichtsverfahren, woraufhin der Lokführer die Fahrt fortsetzte. Der erste Wagen entgleiste, was für einen Aufprall der folgenden Wagen sorgte. Kerzen, die dem Zug als Beleuchtung dienten, sorgten für einen Brand in den Trümmern. Von Soldaten mitgeführte Munition wurde durch den Brand in Explosion gesetzt. Die Zahl der Toten wird auf 700 geschätzt.

Der Zug in Ciurea transportierte verwundete russische Soldaten und Flüchtlinge, die vor der deutschen Armee flohen.
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#2 Ciurea Catastrophe

Ein Bremsversagen am 13. Januar 1917 war die Ursache für einen  Zugunfall am Bahnhof Ciurea in Rumänien.  Der technische Mangel sorgte für eine Entgleisung und einen Brand auf der Strecke von Galați nach Iași. Zwei Dampflokomotiven und 26 Wagen transportierten verwundete russische Soldaten und zivile Flüchtlinge, die vor der anrückenden deutschen Armee flohen. Das Zugunglück forderte zwischen 800 und 1000 Leben. Die genaue Ursache für den Bremsschaden ist ungeklärt. Unter anderem besteht die Möglichkeit, dass Reisende aufgrund der überfüllten Wagen teilweise auf den Bremsschläuchen standen und diese so beschädigten. Trotz Bremsen in den Lokomotiven und rückwärtsarbeitender Maschinen nahm der Zug stark an Geschwindigkeit zu. Grund dafür war vor allem das starke Gefälle von 25 bis 67 Prozent auf der Strecke.

Selbst die Lokomotive des Zuges wurde durch den Tsunami 50 Meter weit getragen.
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#1 Eisenbahnunfall von Peraliya

2004 kamen bei einem Eisenbahnunfall in Sri Lanka mindestens 800, geschätzt sogar bis zu 1500 Menschen ums Leben. Das Zugunglück ist noch heute als schlimmstes Zugunglück der Welt  im Guinness-Buch der Rekorde  verzeichnet. Verantwortlich für den Unfall war der durch ein Seebeben im Indischen Ozean ausgelöste Tsunami. Zwei Flutwellen überschwemmten die Gleise, auf denen der Schnellzug Samudra Devi gefahren ist. Insbesondere die zweite Welle traf den Zug mit enormer Kraft und spülte die einzelnen Wagen etwa 100 Meter ins Landesinnere und ins Meer. Selbst die Lokomotive wurde 50 Meter weit getragen. Die Passagierzahl betrug zu Beginn der Fahrt 1500, zum Zeitpunkt des Unglücks könnten es schätzungsweise 1900 gewesen sein. Nur 150 Passagiere überlebten.

Lesetipp: Das sind die gefährlichsten Zugstrecken der Welt.

Pinterest Pin Besonders tragisch: Darum ging der Eisenbahnunfall von Peraliya in die Geschichte ein