Die tragischsten Bergsteiger-Expeditionen
Bergsteigen spiegelt den Drang wider, unmögliche Gipfel zu erreichen. Doch nicht alle Expeditionen liefen gut. Die Expeditionen waren tragisch.
Mut, Ehrgeiz und der Reiz nach Abenteuer – diese Eigenschaften treiben auch heute noch viele Bergsteiger*innen zu unheilvollen Expeditionen an. Ziel ist es, die Abenteuerlust zu bändigen, Durchhaltevermögen zu zeigen und das Unmögliche zu schaffen. Doch zwischen den majestätischen Gipfeln lauert oftmals die Gefahr. Einige Expeditionen enden tragisch – aufgrund verschiedener Gegebenheiten. Manchmal ist es menschliches Versagen, manchmal extreme Wettervorkommnisse und manchmal einfach schicksalshafte Zufälle, die eine Expedition scheitern lassen. Wir fassen dir die zehn tragischsten Expeditionen zusammen, die zeigen, dass Berge nicht bezwungen, sondern nur respektiert werden sollten.
Los geht es mit einem polnischen Winterunglück …
#1 Broad Peak 2013
Der Broad Peak ist mit seinen 8051 Metern der zwölfthöchste Berg der Erde. Er liegt an der Grenze zwischen Pakistan und China, neben dem weltbekannten K2. Im Frühjahr 2013 starteten die vier polnischen Bergsteiger Maciej Berbeka, Adam Bielecki, Tomasz Kowalski und Artur Małek die erste Winterbesteigung des Broad Peak. Ihre Expedition war von Erfolg gekrönt, denn sie erreichten den Gipfel. Leider verschwanden Tomasz Kowalski und Maciej Berbeka beim Abstieg in der Todeszone und kamen ums Leben. Sauerstoffmangel, Erschöpfung und Kälte führten zu ihrem Tod. Im Jahr 2022 wurde der Körper von Kowalski im Eis eingefroren entdeckt.
#2 Mount McKinley 1967
Der Mount McKinley ist 6190 Meter hoch und damit der höchste Berg Nordamerikas. Er befindet sich im Denali National Park in Alaska und gehört zu den sogenannten Seven Summits, den sieben höchsten Bergen der sieben Kontinente. Jährlich besteigen rund 1200 Menschen den Mount McKinley, der heute Denali genannt wird. Im Jahr 1967 jedoch ereignete sich hier eine Tragödie. Eine zwölfköpfige US-Expedition wurde von einem Jahrhundertsturm überrascht. Der Schneesturm tobte tagelang, teilweise mit minus 50 Grad Celsius, sodass sieben Personen ihren Tod fanden. Falsche Wetterprognosen und eine fehlende Kommunikation führten zu einer Verflechtung unglücklicher Umstände.
#3 Mount Manaslu 2012
Der Mount Manaslu ist mit seinen 8163 Metern der achthöchste Berg der Erde. Er liegt in Nepal, im Distrikt Gorkha. Am 23. September 2012 ereignete sich hier ein Bergsteigerunglück, das Todesopfer und Dutzende Verletzte forderte. Das Basislager des Manaslu wurde von einer gewaltigen Lawine zerstört. Die Lawine wurde durch einen überhängenden Serac (ein zerklüfteter Eisblock oder eine Eissäule) ausgelöst, der einfach zusammenbrach. Die Menschen hatten keine Chance, da sie im Schlaf überrascht wurden. Insgesamt kamen elf Personen ums Leben, darunter erfahrene Profis.
#4 Eiger 1936
Der Eiger ist ein 3970 Meter hoher Berg in den Berner Alpen. Noch heute gehört die Eiger-Nordwand zu den schwierigsten Aufstiegen der Welt. Im Jahr 1936 versuchten sich vier Bergsteiger an der Erstbesteigung der Eiger-Nordwand: Toni Kurz, Andreas Hinterstoisser, Edi Rainer und Willy Angerer. Sie passierten einen schwierigen Quergang mit einem Seil, auf dem man mit der damaligen Ausrüstung keinen Halt finden konnte. Da Willy Angerer durch einen Steinschlag schwer verletzt worden war, traten sie den Rückweg an und erkannten ihre folgenschweren Fehler: Sie hatten das Seil mitgenommen und der Quergang war unpassierbar. Im Schneesturm versuchten sie, sich an der Felswand abzuseilen, und kamen dabei ums Leben.
#5 Annapurna 2014
Die Annapurna-Region in Nepal ist sehr beliebt. Besonders der Annapurna-Circuit zeigt sich als berühmte Trekking-Route, die das Annapurna-Massiv im Himalaya einmal umrundet. Im Oktober 2014 wurden zahlreiche Trekker*innen und Bergsteiger*innen von einem extremen Schneesturm überrascht. 43 Menschen verloren ihr Leben, zudem wurden viele weitere Menschen obdachlos und litten an Erfrierungen. Der Sturm kam völlig unerwartet, da Kommunikationssysteme versagten. Die anschließenden Rettungsaktionen wurden durch Lawinen zusätzlich erschwert. 518 Menschen wurden gerettet, und anschließend gab es strengere Sicherheitsvorschriften und ein besseres Frühwarnsystem.
#6 Mount Everest 1924
Der Mount Everest ist der höchste Berg der Erde. Mit seinen 8849 Metern gehört er zu den Seven Summits. Er befindet sich im Himalaya Gebirge und kostete schon viele Menschen das Leben. Im Jahr 1924 verschwanden George Mallory und Andrew Irvine, als sie versuchten, den Mount Everest zu bezwingen. Es handelt sich um den zweiten Versuch der Erstbesteigung des Mount Everest. Doch ob sie dort jemals ankamen, bleibt fraglich. Das Team hatte keine moderne Ausrüstung und nur ein primitives Sauerstoffsystem, das auf extreme Bedingungen traf. Seit 1924 gelten sie als vermisst. Im Jahr 1999 wurde Mallorys Leiche dann auf 8.150 Meter Höhe gefunden.
#7 Matterhorn 1865
Das Matterhorn zeigt sich als höchster Berg der Alpen und ist wegen seiner markanten Gestalt leicht erkennbar. Er ist 4478 Meter hoch und einer der bekanntesten Berge der Welt. Die Erstbesteigung des Matterhorns sollte im Jahr 1865 erfolgen. Edward Whymper und sein Team machten sich auf den Weg. Der Aufstieg war ein voller Erfolg, doch der Abstieg endete tödlich. Vier Männer kamen zu Tode, weil ein Seil riss. Teilweise wurden die Unglücksopfer nie gefunden. Whymper hingegen überlebte. Das Drama am Matterhorn kennzeichnete die moderne Bergsteigerei, aber auch die dunkle Seite davon.
#8 K2 2008
Der K2, der zweithöchste Berg der Erde, forderte schon viele Todesopfer. So auch im August 2008. Der K2 befindet sich im Karakorum-Gebirge in Asien und hat eine Höhe von 8611 Metern. Der K2 gilt als der schwierigste Achttausender. Insgesamt machten sich im August 2008 20 bis 25 Menschen an den Aufstieg des K2. Einige erreichten den Gipfel, andere nicht. Eine Eislawine riss die Fixseile in der berüchtigten „Bottleneck“-Passage weg, sodass der Rückweg unmöglich war. Die Kletterer waren in der Todeszone gefangen. Hinzu kamen die Dunkelheit, die Erschöpfung und ein Kommunikationschaos, sodass elf Personen starben.
#9 Nanga Parbat 1934
Im westlichen Himalaya-Gebirge ist der Nanga Parbat (auch als Diamir bekannt) zu finden. Er besitzt eine Höhe von 8125 Metern und ist der neunthöchste Berg der Erde. Im Jahr 1934 startete eine deutsche Himalaya-Expedition unter der Leitung von Willy Merkl. Es sollte der Triumph der Deutschen werden, um nationale Stärke zu beweisen. Zuvor hatten andere Nationen andere Gipfel der höchsten Berge erstürmt. Doch die Expedition endete tödlich. Die Bergsteiger wurden von einem plötzlichen Schneesturm auf 7450 Metern Höhe überrascht. Beim fluchtartigen Abstieg kamen sechs Deutsche und neun Sherpas – so wird das tibetischstämmige Volk aus Nepal genannt – ums Leben. Die Überlebenden berichteten von großer Qual und Leid.
#10 Mount Everest 1996
Im Mai 1996 brachen mehrere Expeditionsteams auf, um den Gipfel des Mount Everest zu erklimmen. Darunter waren erfahrene Expeditionsleiter wie Rob Hall und Scott Fischer. Auch der Journalist Jon Krakauer war dabei, um eine Reportage für ein US-Magazin zu schreiben. Doch sie kamen nie oben an, da ein Sturm sie überraschte. Aufgrund überfüllter Routen erreichten sie den Gipfel zu spät. Zusätzlich gab es Kommunikationsprobleme. Die Temperatur fiel auf minus 40 Grad, was dazu führt, dass das Team sowohl Kraft als auch Orientierung verlor. Acht Bergsteiger*innen starben bei dem Unglück. Jon Krakauer überlebte und schrieb nicht nur eine Reportage, sondern ein Buch, das zum Bestseller wurde: „In eisige Höhen: Das Drama am Mount Everest“ erschien im Jahre 2000.