Die tragischsten Bergsteiger-Expeditionen
Diese 9 Expeditionen endeten tödlich. Wir blicken auf Unglücke am Everest, K2 und der Eiger-Nordwand zurück, die den Bergsport für immer verändert haben.
Bergsteigen ist kalkuliertes Risiko, doch manche Expeditionen geraten völlig außer Kontrolle. Oft entscheiden menschliche Fehler, plötzliches Wetter oder technisches Versagen über das Schicksal einer gesamten Seilschaft. Das waren die tragischsten Bergsteiger-Expeditionen aller Zeiten.
#1 Broad Peak (2013): Tod nach dem Erfolg
Der Broad Peak (8.051 m) sollte im Frühjahr 2013 Schauplatz einer historischen Leistung werden. Einem polnischen Team gelang die erste Winterbesteigung des Berges – ein Erfolg, der jedoch nur Stunden anhielt. Beim Abstieg in der sogenannten Todeszone verließen Maciej Berbeka und Tomasz Kowalski die Kräfte. Gezeichnet von Sauerstoffmangel und extremer Kälte schafften sie es nicht mehr zurück ins Lager. Kowalskis Körper wurde erst im Jahr 2022 im Eis gefunden.
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#2 Denali (1967): Gefangen im Jahrhundertsturm
Am Denali (6.190 m) ereignete sich 1967 eine Tragödie durch einen extremen Wettersturz. Eine zwölfköpfige US-Expedition wurde von einem Blizzard eingeschlossen, der tagelang bei Temperaturen von minus 50 Grad tobte. Aufgrund falscher Wetterprognosen und dem Zusammenbruch der Kommunikation starben sieben Bergsteiger den Erfrierungstod.
#3 Mount Manaslu (2012): Die Lawine im Basislager
Am nepalesischen Mount Manaslu (8.163 m) geschah das Unglück am 23. September 2012 direkt im Camp. Ein überhängender Eisblock (Serac) brach oberhalb des Basislagers zusammen und löste eine gewaltige Lawine aus. Elf Menschen wurden nachts in ihren Zelten überrascht und getötet, darunter auch erfahrene Profi-Bergsteiger, die gegen diese plötzliche Naturgewalt keine Chance hatten.
#4 Eiger (1936): Der abgeschnittene Rückweg in der Nordwand
Die Eiger-Nordwand gilt bis heute als eine der schwierigsten Wände der Welt. 1936 versuchten Toni Kurz, Andreas Hinterstoisser, Edi Rainer und Willy Angerer die Erstbegehung. Nachdem Angerer durch Steinschlag schwer verletzt worden war, musste die Gruppe umkehren. Dabei wurde ihnen ein folgenschwerer Fehler zum Verhängnis: Sie hatten das Seil am schwierigen Quergang beim Aufstieg mitgenommen, wodurch dieser beim Rückzug unpassierbar war. Im Schneesturm versuchten sie verzweifelt, sich abzuseilen, und kamen alle ums Leben – Toni Kurz verstarb als Letzter, nur Meter über den Rettern.
#5 Annapurna (2014): Katastrophe auf der Trekking-Meile
Im Oktober 2014 verwandelte ein unerwarteter Blizzard die beliebte Trekking-Route um das Annapurna-Massiv in eine Todesfalle. Da die Kommunikationssysteme versagten und kein Frühwarnsystem existierte, wurden hunderte Wanderer auf den Pässen schutzlos vom Sturm überrascht. 43 Personen verloren ihr Leben, viele weitere erlitten schwere Erfrierungen. Das Unglück führte später zu deutlich strengeren Sicherheitsvorschriften in Nepal.
#6 Matterhorn (1865): Der fatale Seilriss beim Abstieg
Die Erstbesteigung des Matterhorns (4.478 m) durch Edward Whymper und sein Team war zunächst ein Erfolg. Doch beim Abstieg riss ein Seil, woraufhin vier Männer über die Nordwand in den Tod stürzten. Whymper überlebte das Drama, doch die Tragödie markierte das Ende der „goldenen Ära“ des Alpinismus und prägte den Ruf des Matterhorns als einer der bekanntesten, aber auch gefährlichsten Berge der Alpen.
#7 K2 (2008): Das Nadelöhr am Bottleneck
Am K2 (8.611 m), dem schwierigsten Achttausender, kam es im August 2008 zu einem Chaos in der Todeszone. Eine herabstürzende Eislawine riss die Fixseile in der „Bottleneck“-Passage weg und schnitt den Rückweg zum Lager ab. Mehrere Bergsteiger waren oberhalb der Engstelle gefangen. In der Dunkelheit und völligen Erschöpfung starben elf Menschen beim Versuch, den Abstieg ohne Sicherung zu bewältigen.
#8 Nanga Parbat (1934): Die Prestige-Expedition im Schneesturm
Unter der Leitung von Willy Merkl sollte eine deutsche Expedition den Nanga Parbat (8.125 m) für nationalen Ruhm bezwingen. Doch auf 7.450 Metern wurden die Bergsteiger von einem neuntägigen Schneesturm gestoppt. Beim fluchtartigen Abstieg kamen sechs Deutsche und neun Sherpas ums Leben. Die Überlebenden berichteten später von den qualvollen Bedingungen und der totalen Entkräftung in der dünnen Luft.
#9 Mount Everest (1996): Der tödliche Stau in der Todeszone
Das Unglück am Mount Everest im Mai 1996 ist das wohl bekannteste Beispiel für die Gefahren am höchsten Berg der Erde. Durch überfüllte Routen am Hillary Step kam es zu fatalen Zeitverzögerungen. Die Bergsteiger, darunter die Expeditionsleiter Rob Hall und Scott Fischer, verbrauchten ihre Sauerstoffreserven und gerieten beim Abstieg in einen schweren Sturm. Acht Menschen starben in dieser Nacht, ein Ereignis, das durch Jon Krakauers Bestseller „In eisige Höhen“ weltberühmt wurde.
#10 Mount Everest (1924): Das größte Rätsel der Alpingeschichte
Lange vor der modernen Ausrüstung wagten George Mallory und Andrew Irvine 1924 den zweiten Versuch einer Erstbesteigung des Everest. Mit Tweed-Anzügen und einem für heutige Verhältnisse primitiven Sauerstoffsystem stiegen sie in Richtung Gipfel auf – und kehrten nie zurück. Jahrzehntelang blieb ihr Schicksal ungeklärt, bis Mallorys Leiche im Jahr 1999 auf 8.150 Metern Höhe gefunden wurde. Bis heute bleibt die Frage offen, ob die beiden vor ihrem Tod vielleicht doch als erste Menschen auf dem Gipfel standen.