Tödliche Unfälle im Hochgebirge: Diese Sportler*innen verunglückten beim Bergsteigen
Diese tragischen Unglücke berühmter Profi-Sportler zeigen, wie schmal der Grat zwischen Abenteuer und Katastrophe manchmal sein kann.
Für viele Profi-Sportler*innen sind die Berge ein wichtig für das Abschalten vom stetigen Leistungsdruck. Doch was als Leidenschaft beginnt, endet in manchen Fällen in einer Tragödie. Diese Unglücke zeigen auf schmerzliche Weise, wie schnell beim Bergsteigen ein Moment alles verändern kann.
#1 Gela Allmann
Vor zwölf Jahren erlebt Gela Allmann einen Horror-Sturz: Beim Fotoshooting in Island rutscht sie aus, fliegt über eine Klippe und landet 800 Meter tiefer im Schnee. „Als ich da lag, wollte ich einfach kämpfen“, sagte Allmann gegenüber der Bild.
Die Folgen waren massiv: Nasenbein gebrochen, fünf Lendenwirbel, Kreuzbandrisse, eine durchtrennte Hauptarterie im Oberschenkel: „Ich habe extrem viel Blut verloren.“ Die Not-OP dauert neun Stunden, ihr Bein wird glücklicherweise gerettet. Sechs Monate im Krankenhaus, endlose Reha-Stunden. „Ich wusste lange nicht, ob ich je wieder auf Skiern stehen kann“, erinnert sie sich.
Der Unfall veränderte ihr Leben komplett. Sie trennt sich und zieht aufs Land. Heute ist sie Expertin für Skibergsteigen bei der ARD, hält Vorträge über Mut, Angst und Durchhaltevermögen. „Die Berge haben mich motiviert, wieder oben zu stehen. Schritt für Schritt zurückzukommen, das habe ich unglaublich genossen“, erzählt sie.
Allmann betont: „Man wird demütiger vor dem Leben. Es kann jeden Tag vorbei sein, und wir entscheiden selbst, was daraus wird. Ich möchte anderen zeigen: Es lohnt sich zu kämpfen.“
#2 Robert Grasegger
Im Januar 2022 verlor die Alpinisten-Szene einen ihrer profiliertesten Kletterer: Der 32-jährige Robert Grasegger aus Garmisch-Partenkirchen verunglückte tödlich in den argentinischen Anden. Gemeinsam mit einer Begleiterin war er am Aguja Guillaumet in der Nähe des Fitz Roy unterwegs, als sich eine Nassschneelawine löste und beide mitriss. Während seine Partnerin schwer verletzt gerettet werden konnte, verstarb Grasegger noch vor Ort an seinen schweren Verletzungen.
Die Rettungsaktion gestaltete sich aufgrund der extremen Wetterbedingungen in Patagonien als äußerst schwierig. Mehr als 40 Freiwillige und ein Hubschrauber waren im Einsatz, doch für den erfahrenen Bergführer kam jede Hilfe zu spät. Grasegger galt in der Szene als extrem versiert und vorsichtig; sein Tod löste weit über seine bayerische Heimat hinaus große Bestürzung aus. Besonders tragisch: Grasegger war jahrelang der Lebensgefährte von Laura Dahlmeier, die damals öffentlich um ihren engen Vertrauten trauerte.
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#3 David Lama, Hansjörg Auer und Jess Roskelley
Es war eine Nachricht, die die Grundfesten der Alpinwelt erschütterte: Im April 2019 verschwand ein Trio der Weltklasse in den kanadischen Rocky Mountains. David Lama, Hansjörg Auer und Jess Roskelley hatten sich die berüchtigte Ostwand des Howse Peak vorgenommen, eine Route, die als extrem anspruchsvoll und gefährlich gilt. Als die drei Athleten nicht zur vereinbarten Zeit zurückkehrten, bestätigten Beobachtungen aus der Luft schnell die schlimmsten Befürchtungen. Eine gewaltige Lawine hatte sie während ihres Vorhabens voll erfasst.
Die Bergung der drei Männer war aufgrund der prekären Sicherheitslage vor Ort tagelang nicht möglich, was die Ungewissheit für Familien und Fans weltweit qualvoll verlängerte. Dass es ausgerechnet diese drei traf, sorgte für fassungsloses Schweigen in der Szene. David Lama und Hansjörg Auer galten als die Gesichter des modernen, minimalistischen Bergsteigens in Europa, während Jess Roskelley in den USA als einer der stärksten Alpinisten seiner Zeit gefeiert wurde. „Wenn man in die Berge geht, ist das Risiko ein Teil des Ganzen“, hatte Hansjörg Auer einmal in der Dokumentation „No Siesta“ gesagt.
#4 Ueli Steck
Wegen seiner unglaublichen Geschwindigkeit in den steilsten Nordwänden der Alpen nannte man Ueli Steck die „Swiss Machine“. Doch im April 2017 ging er von uns. Während einer Solo-Akklimatisationstour am Nuptse, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Mount Everest, geschah das Unfassbare. Der Schweizer, der für seine präzise Vorbereitung bekannt war, stürzte ohne Zeugen über 1.000 Meter in die Tiefe.
Andere Bergsteiger*innen im Basislager fanden Steck schließlich am Fuße der Wand. Er war dort unterwegs, um sich auf eine historische Traverse zwischen Mount Everest und Lhotse vorzubereiten. Steck revolutionierte durch seinen Speed-Stil das Bergsteigen. Er wurde nach seinem Tod in einem Kloster nahe dem Mount Everest beigesetzt.
#5 Korra Pesce
Es hätte einer der stolzesten Momente seiner Karriere sein sollen: Im Januar 2022 gelang dem italienischen Alpinisten Corrado „Korra“ Pesce zusammen mit seinem Partner Tomás Aguiló die Erstbegehung einer extrem anspruchsvollen Route an der Nordwand des Cerro Torre in Patagonien. Doch die Freude über den Erfolg hielt nur kurz. Während die beiden am Berg bivakierten, wurden sie im Schlaf von einer massiven Lawine aus Eis und Steinen getroffen. Während Aguiló sich trotz schwerster Verletzungen noch ein Stück weit abseilen konnte und später gerettet wurde, blieb Pesce schwer verletzt zurück.
Die darauffolgende Rettungsaktion ging als eine der dramatischsten in die Geschichte ein. Aufgrund der extremen Wetterumschwünge und der ständigen Gefahr von weiterem Eisschlag konnten die Retter*innen die Stelle, an der Pesce lag, nicht erreichen. Nach mehreren Tagen musste die Suche schließlich abgebrochen werden. Er galt als einer der besten Bergsteiger seiner Generation, bekannt für seine Bescheidenheit und sein technisches Können. Korra Pesce hinterließ eine Tochter.
#6 Karine Ruby
Karine Ruby war in Frankreich ein absoluter Star. Sie gewann 1998 als erste Frau überhaupt olympisches Gold im Snowboarden. Nach ihrer großen Karriere im Profisport wollte sie es ruhiger angehen lassen, blieb den Bergen aber treu. Sie machte eine Ausbildung zur Bergführerin, um anderen die Schönheit der Alpen zu zeigen. Doch genau bei dieser Arbeit passierte im Mai 2009 das tragische Unglück im Mont-Blanc-Massiv.
Während einer Tour auf dem Glacier du Géant passierte es: Die damals 31-Jährige stürzte in eine etwa 20 Meter tiefe Gletscherspalte. Obwohl sie das Gebiet rund um Chamonix wie ihre Westentasche kannte und als sehr vorsichtig galt, gab der Boden unter ihr nach. Bei dem Unfall riss sie zwei weitere Bergsteiger*innen mit in die Tiefe. Für alle drei kam jede Hilfe zu spät; sie konnten nur noch tot geborgen werden.
Ganz Frankreich war nach der Nachricht geschockt. Karine Ruby galt als bodenständig und bescheiden, sie hatte den Trubel um ihre Person nie geliebt.
#7 Laura Dahlmeier
Es war die Nachricht, die im Sommer 2025 die Sportwelt erschütterte: Laura Dahlmeier, die Ausnahmeathletin und zweifache Olympiasiegerin, ist tot. Mit nur 31 Jahren verunglückte sie am 28. Juli bei einer Expedition am Laila Peak in Pakistan. Das Unglück geschah auf rund 5.700 Metern Höhe. Während eines Abseilmanövers wurde Dahlmeier von einem massiven Steinschlag getroffen. Ihre Seilpartnerin musste das Drama mit ansehen, konnte aber nichts mehr tun. „Ich habe beobachtet, wie die Laura ein riesengroßer Stein getroffen hat [...]. Von dem Moment an hat sie sich auch nicht mehr bewegt.“, schilderte diese später den Horror-Moment, wie die Faz zitiert. Aufgrund der extremen Wetterbedingungen und der Gefahr weiterer Lawinen war eine Bergung ihres Leichnams unmöglich. Ihr Tod hinterlässt eine riesige Lücke, doch ihr Vermächtnis als Grenzgängerin bleibt. Schon zu Lebzeiten wusste sie um das Risiko: „Man braucht am Berg auch immer das nötige Quäntchen Glück“, sagte sie einmal in einem Interview mit der Gala 2023.
#8 Dan Osman
In den 90er Jahren gab es kaum jemanden, der so furchtlos wirkte wie Dan Osman. Der Amerikaner war berühmt für seine riskanten Free-Solo-Klettereien ohne Seil und seine extremen Speed-Rekorde. Doch seine größte Leidenschaft war das „Rope Jumping“. Dabei sprang er von hohen Felsen an Kletterseilen in die Tiefe, um den freien Fall so lange wie möglich zu genießen. Im November 1998 wurde ihm genau dieses Hobby im Yosemite-Nationalpark zum Verhängnis.
Bei einem Sprung vom berühmten Felsen „Leaning Tower“ passierte das Unfassbare: Das Seil hielt der Belastung nicht stand und riss. Dan Osman stürzte über 300 Meter in die Tiefe und war sofort tot. Er wurde nur 35 Jahre alt. Spätere Untersuchungen ergaben, dass das Seil wahrscheinlich durch die Reibung bei mehreren Sprüngen zuvor beschädigt worden war. Ein kleiner Fehler in der Berechnung der Winkel führte dazu, dass die Seile beim entscheidenden Sprung durchschmorten.
Sein Tod war ein riesiger Schock für die Kletterszene. Er wird bis heute als Pionier des extremen Sports verehrt.
#9 Hilaree Nelson
Im September 2022 wollte die US-Amerikanerin Hilaree Nelson zusammen mit ihrem Lebenspartner Jim Morrison einen großen Traum verwirklichen: die Skiabfahrt vom Gipfel des Manaslu in Nepal, dem achthöchsten Berg der Erde. Doch kurz nach dem Start der Abfahrt, nur wenige Meter unterhalb des Gipfels, geschah das Unglück. Nelson löste eine kleine Lawine aus und wurde von den Schneemassen über die steile Südwand des Berges mitgerissen.
Wegen schlechten Wetters dauerte die Suche nach ihr zwei Tage. Erst dann entdeckten Rettungskräfte ihren Körper aus einem Hubschrauber heraus. Hilaree Nelson war die erste Frau, die innerhalb von 24 Stunden zwei Achttausender (Mount Everest und Lhotse) bestiegen hatte. Ihr Tod löste weltweit große Anteilnahme aus, da sie als Vorbild für viele Frauen im Alpinismus galt.
#10 Adèle Milloz
Adèle Milloz war eine erfolgreiche französische Skibergsteigerin und Weltmeisterin in ihrer Disziplin. Wie Karine Ruby entschied sie sich nach ihrer aktiven Wettkampfkarriere für die Ausbildung zur Bergführerin. Im August 2022 verunglückte die erst 26-Jährige tödlich im Mont-Blanc-Massiv. Zusammen mit einer Kundin war sie auf der klassischen Route zum Gipfel der Aiguille Noire de Peuterey unterwegs, als beide Frauen aus ungeklärter Ursache in den Tod stürzten.
Andere Bergsteiger*innen beobachteten den Sturz und riefen sofort die Rettungskräfte, doch jede Hilfe kam leider zu spät.
#11 Marc-André Leclerc
Marc-André Leclerc galt als einer der talentiertesten und zugleich bescheidensten Kletterer seiner Zeit. Der junge Kanadier wurde vor allem durch seine spektakulären Solo-Begehungen in Patagonien und Kanada bekannt, die er oft ohne Handy oder Kamera durchführte. Im März 2018 brach er dann zusammen mit seinem Partner Ryan Johnson zu einer neuen Route an den Mendenhall Towers in Alaska auf. Nachdem die beiden den Gipfel erreicht hatten, verschwanden sie auf dem Rückweg spurlos.
Schwere Schneestürme verhinderten tagelang die Suche. Später konnten Rettungskräfte lediglich ihre Seile am Ende einer Gletscherspalte sichten, doch die Körper der beiden Bergsteiger konnten wegen der gefährlichen Lage tatsächlich nie geborgen werden. Leclerc wurde nur 25 Jahre alt.